Sonntag, 3. Juni 2007
portomarin
und noch ein geiler wandertag...

ich bekomme langsam ein schlechtes gewissen. ich frage mich, ob ich noch pilger oder schon wandertourist bin. nic. meint, dass wir ja auch schon andere tage durchgemacht haben. die schlechten tage lassen uns die guten tage eben umso besser erscheinen.

ich muss mich wiederholen: galicien ist einfach nur wunderschoen. es riecht fast ueberall nach schweinestall und kuhdung. die leute erscheinen kauzig, aber sehr ueberschwenglich. hier hat der bauer eben noch eine liebesbeziehungen mit seinen tieren. alles wirkt etwas zurueckgeblieben, aber trotzdem sehr herzlich. es eignet sich auf jeden fall als ort der projezierten sehnsuechte deutscher krankenkassenangestellter...

wir stehen heute wirklich erst um 9:00 uhr auf und fruehstuecken in der naechsten bar bei lautem motorradrennen aus dem fernsehen. der herzliche barmensch sieht aus wie eine spanische version von tony marshall mit grauer elvis-tolle und ist sehr lustig. beim fruehstuecken erinnern wir uns an eine "schluesselszene" von gestern, die beweist, dass der weg uns bereits veraendert haben muss. tim und ich verspuerten gestern mittag einen vehemnet unmenschlichen kotdrang. die hospitalera im kloster in samos hat uns aus reiner naechstenliebe auf die klostertoilette gelassen. dort sassen wir dann nebeneinander - box an box - und haben uns waehrend des kackvorganges angeregt unterhalten. auch tim konnte die erste woche des caminos ueberhaupt nicht aufs klo und bezeichnet sich selbst als heimscheisser. chr. meint nur unbeeindruckt mit ihrer typischen italienischen singsang-satzmelodie "ich scheisse und schlafe ueberall". das waere ein genialer buchtitel...

wir laufen durch den angeblich verzauberten eichenwald. doch das ist wieder mal hape-quatsch, denn rein gar nix aussergewohnliches passiert. der wald ist einfach nur wunderschoen. in ihm sind viele uralte und riesengrosse eichen zu bestaunen. der dichte nebel verleiht ihm zusaetzlich eine ganz eigene mystik.



wir wandern weiter durch wunderbar gruene landschaften, durch kleine moosueberwucherte steinmaeuerchen abgetrennte felder und kleine 5-haeuser doerfer. gegen mittag reisst es auf und die sonne kommt richtig raus.

gegen halb eins erreichen wir den offiziellen "noch-100-km-bis-santiago"-stein. uns wird allen ganz anders. es ist so, als ob wir erst hier begreifen, dass wir wirklich schon 700 km quer durch spanien gelaufen sind. wir lassen uns wie japanische touristen in allen moeglichen posen neben dem stein fotografieren. in der naechsten dorfbar stossen wir erst einmal mit einigen bieren darauf an. selbst nic. trinkt dem anlass entsprechend mal reines bier. wir bleiben ueber eine stunde in der bar, so dass chr., die ganz auf iihre talienische art einige siestas eingelegt hat, uns wieder einholen kann.

da wir ja telefonisch vorreserviert hatten machen wir dann auch nochmal ca. 5 km vor unserem heutigen ziel siesta. wir kommen heute erst um kurz nach 17:00 uhr an und erleiden erstmal einen schreck. unsere reservierung wurde verbummelt und die albergue ist schon "completo". in der anderen ist aber gluecklicherweise noch platz.



portomarin ist ein netter ort, der wegen einem stausee auf einen berg ziehen musste. so wurde beispielsweise die kirche komplett ab- und wieder aufgebaut. viele spanier nutzen den see am wochenende zur naherholung. wir picknicken auf einer anhoehe mit fantastischen see-blick. es schmeckt toll und wir sind alle sehr entspannt. ich habe gestern nacht auf den dach schon "besser wirds wohl nicht mehr" gedacht. der heutige abend hat es aber doch noch mal getoppt.



unschoen jedoch: wir fuettern einen jaemmerlich aussehenden strassenkoeter, der sogar unser brot begierig futtert. die tiere hier sind echt ein thema fuer sich, zu dem ich mir gar nicht laenger gedanken machen darf. mir tun die vielen jaulenden kettenhunde und abgemagerten katzen richtig weh. katzen haben in spanien wohl ueberhaupt keine lobby...

kathrin und markus haben ja wegen meiner weiteren plaene gefragt -->ich stelle es mir momentan so vor...

* 07.06. = ankunft in santiago
*drei tage weiterlaufen ans ende der welt (fisterre)
wenns mir dort gefaellt bleibe ich dort erstmal ein bis zwei tage...
* ansonsten fahre ich mit dem bus zum ausgiebigen sightseeing (4-6 tage) weiter nach madrid
* wenn zeit bleibt mache ich evtl. einen kleinen umweg (2- tage) ueber das historische toledo
*busweiterfahrt nach sevilla ebenfalls zum ausgiebiges sightseeing und allabendlichen flamencobar-besuchen
* ca. am 22.06. weiterreise nach malaga, um das picassso-museum zu sehen!
* am 24.06. um 6:50 hole ich "mi corazon" am aeropuerto malaga ab

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