Samstag, 2. Juni 2007
vega de valcarce (31.05.07)
don madiaz, 21:06h

zunaechst mal sorry fuer die unregelmaessigen bloggs. aber nicht jedes galicisches bergdorf hat eben internet.
wir sind schon so pilger...offenbar sind wir mittlerweile doch komplett entschleunigt. nach gerade mal 16 km haben wir heute 7 km vor unserem eigentlichen etappenziel spontan und kurzentschlossen drei doppelzimmer in einem ferienhaus genommen. die vermieterin ist verkaeuferin in der nagelneuen und nett eingerichteten panaderia, in der wir cafe con leche trinken. die atmosphaere dort ist einfach zu herzlich und nett. sie macht uns unsere bocadillos con francesa (eine art broetchen mit ruehrei) frisch in der einsehbaren kueche. da wir ohnehin schon laenger quengeln, schlage ich vor, nach dem preis fuer die sicher tollen zimmer zu fragen. wir sind den ganzen tag immer wieder durch regen gelaufen und kamen heute morgen nur schwer in die gaenge. als wir den preis (25 euro fuer das dz) hoeren sind wir uns schnell einig und ziehen ein in unser neues zu hause.
mit dem ziel fast schon vor augen bekommen wir offenbar langsam angst, anzukommen...
am ausgang von villafranca verpassen wir heute morgen den "camino duro" und laufen doch neben der nationalstrasse vi. das ist das stueck, wo hape einst seinen pilgerstab den lkws entgegenstreckte und schnell um die kurven rannte. mittlerweile gibt es hier eine neu gebaute autobahn, die den ganzen lkw-verkehr abbekommt. ausserdem wurde der pilgerweg aus sicherheitsgruenden mit einer massiven betonabtrennung von der strasse separiert. also alles nicht mehr schlimm...
ich laufe den morgen mit chr., die mich oft fuer meinen deutschen bloedsinn ruegt. in der tat kann ich mir von ihrer vorbildlichen italienischen scheissegal-einstellung eine scheibe abschneiden. es geht wieder darum, was wir von dem weg mitnehmen. wir sind uns einig, dass wir auf dem weg bisher keine fragen endgueltig beantwortet bekommen haben. vielmehr haben sich durch die unterschiedlichen neuen blickwinkel eher neue fragen aufgeworfen. wir sind uns sicher, dass der weg uns schleichend von tag zu tag veraendert, merken diese veraenderung aber wohl nicht selbst. wir sind gespannt, was fuer ein feedback uns nahestehende personen geben werden. ganz sicher hat der weg aber unsere flexibilitaet und spontaniitaet beeinflusst. die nachhaltigste erkenntnis ist keine wirklich neue. das leben kann einfach sein. wahrscheinlich ist man dann auch gluecklicher...wir koennten eigentlivh mit wesentlich weniger zufrieden sein. wir haben alles im ueberfluss. dies wurde uns besonders deutlich als wir neulich im "el corte ingles" (eine art nobel-kaufhaus) in leon waren. dort gab es eine ca. 10m lange regalreihe von verschiedenen olivenoelen. die omi, die im nebenraum ihres wohnzimmers nebenbei einen gemischtwarenladen betreibt, hat ein einziges im sortiment. das reicht aber auch zum kochen...wozu brauchen wir immer mehr? alles muss immer hoeher, schneller und weiter sein. von zeit zu zeit ist es daher sehr wichtig, sich wieder auf ein einfaches leben zurueck zu besinnen. dafuer ist der jakobsweg sehr gut geeignet...auf dem camino lebt man tag fuer tag nur mit dem noetigsten. man kauft nur das, w as man auch wirklich an diesem tag verwendet. alles zu viel gekaufte muss man unnuetz durch die gegend schleppen. im alltag wird es fuer mich eine herausforderung diese neu gefundene einfachheit langfristig zu konservieren. fuer kuenftige urlaube koennte ich mir daher taize, kloster oder erntehelfer vorstellen...
wie bekomme ich jetzt die kurve zurueck auf unser luxuroeses ferienhaus? es ist nagelneu. jedes zimmer wirkt wie ein musterzimmer aus dem ikea-katalog. wir haben eine gut ausgestatte kueche und sogar einen kamin. hier wurde mit viel liebe und sinn fuer details alles richtig gemacht. meine anderen mitpilger waren bisher nur in herbergen. fuer sie ist das wirklich das erste mal luxus. die augen unserer maedels leuchten wie bei kleinen kindern zu weihnachten. endlich mal nicht in dem mittlerweile miefigen schlafsack verbringen. auch frische bettwaesche kann luxus sein...
am abend bereite ich bruschetta und zwei riesige salatschuessel fuer uns alle vor. wir essen in dem grossen esszimmer miteinander. es ist ein sehr netter abend ausserhalb der ueblichen herbergen-atmosphaere. es fuehlt sich eher so an, als haette man mit guten freunden ein ferienhaus zum urlaub bezogen...ich habe uebrigens ein zimmer mit tim...;o)
da wir aber ausschlafen koennen, planen wir nicht vor 9 loszugehen...wir lassen es uns gut gehen, denn morgen gilt es beim aufstieg auf den o' cebreiro 700 hoehenmeter in 27 km zu ueberwinden...
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