Samstag, 2. Juni 2007
sarria
ein geiler wander-tag mit drei freunden (tim, chr. und nic)

im sonst so verregneten galicien hat heute den ganzen tag die sonne geschienen

ab nachmittag war es zum wandern dann fast schon zu schwuelwarm.

wir hatten erst einen heftigen abstieg

dann ging es auf und ab durch alte kleine galicische bergdoerfer und kuhfladen.

eine kuh einer vorbeilaufenden herde hat mir mit ihrem horn einen rempler mitgegeben. mir ist aber nix passiert. ab sofort aergere ich keine kuehe mehr

die landschaft ist ganz toll und unglaublich gruen...wir waren alle noch nicht in irland, stellen es uns aber so vor...

das letzte stueck geht an der nationalstrasse entlang. nic wird beinahe von einem raser-idioten angefahren...

nach ueber 30 km erreichen wir unsere wieder vorreservierte private herberge.

es kostet etwas mehr (10 euro), dafuer haben wir ein viererzimmer und frische bettwaesche.

wir lassen den hospitalero fuer 7 euro unsere komplette dreckwaesche maschinenwaschen und trocknen.

wir gehen zum abendessen in die stadt, lassen uns extrem knoblauchige patatas bravas schmecken und trinken reichlich san miguel.

highlight: wir kehren gegen 23:00 uhr in die herberge zurueck und setzen uns auf die sonnenterasse im dritten stock. unter uns liegt die ruhige in oranges licht getauchte stadt. wir luemmeln mit den fuessen auf der hauswand, schauen in die sterne und chillen ausgelassen bis nach mitternacht bei dosenbier. ich fuehle mich in eine endsequenz von "scrubs" hineinversetzt. als soundtrack wuerde nur noch"high" von feeder im hintergrund fehlen.

...I'm going out for a while
So I can get high with my friends
I'm going out for a while
Don't wait up cause I won't be home today


wir vereinbren, dass wir bis 9:00 uhr ausschlafen und es langsam angehen werden. wir haben bereits wieder vorreserviert. morgen geht es unter die 100 km grenze...

ab sarria sind es noch 111 km...

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fonfria (01.06.07)
puh, das war wirklich harter stoff. insgesamt drei knackige steigungen. laut fuehrer haben wir jetzt aber die letze grosse huerde vor santiago ueberwunden...

die nacht in den aeussert bequemen betten war toll. wir haben fuer pilgerverhaeltnisse bis 8:00 uhr ausgeschlafen. anschliessend nehmen wir unserer netten dame des hauses unser fruehstueck. wir laufen heute alle alleine und treffen uns zum mittagessen am hoechten punkt in o' cebreiro. die landschaft wird von schritt zu schrit toller. steinige anstiege fuehrern mich auf den ruecken gruener berge mit tollen weitblicken. irgendwo zwischen irland, oesterreich und suedtirol. ich probiere die achtsamkeitsuebungen aus meinem dalai lama hoerbuch und laufe meditierend. es dauertnicht lange und ich bin mal wieder eins mit der natur...

gegen mittag erreiche ich dann das denkmalgeschuetzte touristendorf o' cebreiro.



reichlich taxi-pilger und schulklassen haben sich schon vor mir eingefunden. es gibt das aelteste pilger-refugio und die aelteste erhaltene kirche des weges zu sehen. in der kirche ist der aus dem wunder von o' cebreiro bekannte kelch und hostie ausgestellt. diese zieren noch heute das galicische nationalwappen.

eigentlich besteht das dorf nur aus zwei touri-shops, etlichen bars und mesons. alles ist zwar recht touristisch, hat aber trotzdem charme. es erinnert ein bisschen an das dorf von asterix. ueberall sind keltische einfluesse zu sehen . so wurde ich zum beispiel mit dudelsackmusik empfangen. angeblich soll man dort noch an hexen glauben...zum mittag hole ich mir eine gaenseschmalvergiftung. meine tortilla wurde offenbar in einer ausgelassen gans angebraten. ich merke es aber zu spaet und mir ist zeitwilig richtig uebel...



wir quaelen uns ueber zwei weitere aufstiege und landen um 16:00 uhr in der privaten herberge, in der wir teleofnisch reserviert hatten. da das restliche dorf aus lediglich zwei weiteren bauernhoefen und reichlich kuhfladen besteht, sind wir froh, dass in unsere herberge eine bar mit abendessensmoeglichkiet integriert ist. ich bin so platt, dass ich mich nach dem duschen erstmal eine stunde aufs ohr hauen muss. abends breche ich dann meinen vorsatz, bis santiago keinen alkohol mehr zu trinken. auch in galicien wird sidra (cider) getrunken. wir sind uns einig, dass wir wohl offenbar bis irland gelaufen sind...

im riesigen aufenthaltsraum sind bequeme sofa-ecken aufgestellt. es gibt eine panoramfensterwand auf die galicische bergwelt. dort erlebe ich dann einen dieser wertvollen moment, die man am liebsten fuer immer festhalten moechte, weil gerade alles in sich stimmig ist. wir luemmeln zu viert in den sofas, starren auf die von der untergehenden sonne angestrahlten berge und hoeren aus nicoles handy "america" von razorlight...ganz grosses kino...

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vega de valcarce (31.05.07)


zunaechst mal sorry fuer die unregelmaessigen bloggs. aber nicht jedes galicisches bergdorf hat eben internet.

wir sind schon so pilger...offenbar sind wir mittlerweile doch komplett entschleunigt. nach gerade mal 16 km haben wir heute 7 km vor unserem eigentlichen etappenziel spontan und kurzentschlossen drei doppelzimmer in einem ferienhaus genommen. die vermieterin ist verkaeuferin in der nagelneuen und nett eingerichteten panaderia, in der wir cafe con leche trinken. die atmosphaere dort ist einfach zu herzlich und nett. sie macht uns unsere bocadillos con francesa (eine art broetchen mit ruehrei) frisch in der einsehbaren kueche. da wir ohnehin schon laenger quengeln, schlage ich vor, nach dem preis fuer die sicher tollen zimmer zu fragen. wir sind den ganzen tag immer wieder durch regen gelaufen und kamen heute morgen nur schwer in die gaenge. als wir den preis (25 euro fuer das dz) hoeren sind wir uns schnell einig und ziehen ein in unser neues zu hause.
mit dem ziel fast schon vor augen bekommen wir offenbar langsam angst, anzukommen...

am ausgang von villafranca verpassen wir heute morgen den "camino duro" und laufen doch neben der nationalstrasse vi. das ist das stueck, wo hape einst seinen pilgerstab den lkws entgegenstreckte und schnell um die kurven rannte. mittlerweile gibt es hier eine neu gebaute autobahn, die den ganzen lkw-verkehr abbekommt. ausserdem wurde der pilgerweg aus sicherheitsgruenden mit einer massiven betonabtrennung von der strasse separiert. also alles nicht mehr schlimm...

ich laufe den morgen mit chr., die mich oft fuer meinen deutschen bloedsinn ruegt. in der tat kann ich mir von ihrer vorbildlichen italienischen scheissegal-einstellung eine scheibe abschneiden. es geht wieder darum, was wir von dem weg mitnehmen. wir sind uns einig, dass wir auf dem weg bisher keine fragen endgueltig beantwortet bekommen haben. vielmehr haben sich durch die unterschiedlichen neuen blickwinkel eher neue fragen aufgeworfen. wir sind uns sicher, dass der weg uns schleichend von tag zu tag veraendert, merken diese veraenderung aber wohl nicht selbst. wir sind gespannt, was fuer ein feedback uns nahestehende personen geben werden. ganz sicher hat der weg aber unsere flexibilitaet und spontaniitaet beeinflusst. die nachhaltigste erkenntnis ist keine wirklich neue. das leben kann einfach sein. wahrscheinlich ist man dann auch gluecklicher...wir koennten eigentlivh mit wesentlich weniger zufrieden sein. wir haben alles im ueberfluss. dies wurde uns besonders deutlich als wir neulich im "el corte ingles" (eine art nobel-kaufhaus) in leon waren. dort gab es eine ca. 10m lange regalreihe von verschiedenen olivenoelen. die omi, die im nebenraum ihres wohnzimmers nebenbei einen gemischtwarenladen betreibt, hat ein einziges im sortiment. das reicht aber auch zum kochen...wozu brauchen wir immer mehr? alles muss immer hoeher, schneller und weiter sein. von zeit zu zeit ist es daher sehr wichtig, sich wieder auf ein einfaches leben zurueck zu besinnen. dafuer ist der jakobsweg sehr gut geeignet...auf dem camino lebt man tag fuer tag nur mit dem noetigsten. man kauft nur das, w as man auch wirklich an diesem tag verwendet. alles zu viel gekaufte muss man unnuetz durch die gegend schleppen. im alltag wird es fuer mich eine herausforderung diese neu gefundene einfachheit langfristig zu konservieren. fuer kuenftige urlaube koennte ich mir daher taize, kloster oder erntehelfer vorstellen...

wie bekomme ich jetzt die kurve zurueck auf unser luxuroeses ferienhaus? es ist nagelneu. jedes zimmer wirkt wie ein musterzimmer aus dem ikea-katalog. wir haben eine gut ausgestatte kueche und sogar einen kamin. hier wurde mit viel liebe und sinn fuer details alles richtig gemacht. meine anderen mitpilger waren bisher nur in herbergen. fuer sie ist das wirklich das erste mal luxus. die augen unserer maedels leuchten wie bei kleinen kindern zu weihnachten. endlich mal nicht in dem mittlerweile miefigen schlafsack verbringen. auch frische bettwaesche kann luxus sein...

am abend bereite ich bruschetta und zwei riesige salatschuessel fuer uns alle vor. wir essen in dem grossen esszimmer miteinander. es ist ein sehr netter abend ausserhalb der ueblichen herbergen-atmosphaere. es fuehlt sich eher so an, als haette man mit guten freunden ein ferienhaus zum urlaub bezogen...ich habe uebrigens ein zimmer mit tim...;o)

da wir aber ausschlafen koennen, planen wir nicht vor 9 loszugehen...wir lassen es uns gut gehen, denn morgen gilt es beim aufstieg auf den o' cebreiro 700 hoehenmeter in 27 km zu ueberwinden...

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